In den kommenden Jahren verschmelzen die Schnittstellen zwischen Mensch und Computer noch weiter. Wie auch die einzelnen Technologien: Sie werden sich verbinden und austauschen. Eine Übersicht, welche Technologien man nicht verpassen sollte.

Zalando nutzt Cloud-Dienstleistungen von Amazon Webservices (AWS), Lloyd Shoes hat sein Omnichannelkonzept auf der Cloud von Microsoft Azure aufgebaut und der amerikanische Blumenhandelsfilialist 1-800-Flowers entwickelt seine Services über alle Kanäle mit der IBM Cloud weiter. Cloud-Computing ist also längst im Handel angekommen.

Im Zusammenhang mit der Cloud und dem Internet-of-Things (IoT) fällt neuerdings öfter der Begriff Edge-Computing. "Edge" ist englisch für "Rand", Edge-Computing bezeichnet die Geräte am Rand des Netzwerks, die weitgehend autonom arbeiten.

Zum Beispiel können ein intelligenter Thermostat, Inventur-Roboter oder smarter Türöffner die Daten lokal verarbeiten, aber auch untereinander (Peer to Peer) kommunizieren und bei Bedarf auch auf die Cloud zugreifen.

Künstliche Intelligenz

Selbstfahrende Autos, Sprachassistenten, High-End-Waschmaschinen: Die Künstliche Intelligenz (KI) versucht, menschliche Entscheidungsstrukturen maschinell nachzubilden, egal ob Kommunikation, Schlussfolgerungen, Intuition, Verstehen, Handeln oder Lernen.

Man unterscheidet zwischen einer starken und einer schwachen Künstlichen Intelligenz. Bei der schwachen KI geht es um klar abgegrenzte Aufgabengebiete wie Text- oder Bilderkennung, zum Beispiel Textübersetzungen, Routenplanung, Aktienhandel und die automatische Steuerung von Werbeanzeigen.
Eine starke KI hat darüber hinaus logisches Denkvermögen, kann Entscheidungen fällen, planen und ist lernfähig, kann in natürlicher Sprache kommunizieren und alle Fähigkeiten kombinieren, um ein übergeordnetes Ziels zu erreichen.
Eine Maschine kann sich also scheinbar menschlich verhalten und reagieren. Bislang gibt es sie nur in Science-Fiction-Filmen. Aber bis die KI Daten logisch strukturiert und mit scheinbar menschenähnlicher Verständnistoleranz verarbeitet, wird es vielleicht nicht mehr ewig dauern.

5G

Die Welt ist mobil vernetzt. Und die Kommunikation wird dabei immer schneller. Mit dem ersten iPhone surfte man noch vor 10 Jahren maximal mit einer Datenübertragungsrate von 0,2 Mbit im Internet, mit dem Übertragungsstandard 4G mittlerweile bis zu 100 Mbit.

Die nächste Mobilfunkgeneration 5G bindet Smartphones mit Gigabit-Geschwindigkeiten an, mit denen sich sogar hochauflösende Virtual-Reality-Umgebungen in Echtzeit übertragen lassen. Hinzu kommen die garantierte Bandbreite und die extrem kurze Latenz, die schnelle Antwortzeit, welche zum Beispiel bei selbstfahrenden Autos und vielen anderen zeitkritischen Anwendungen lebenswichtig ist.

Last but not least ist der Energieverbrauch der mit 5G ausgestatteten Geräte sehr gering. Das fördert die Möglichkeiten des Internet of Things (IoT), die Vernetzung von Geräten des Alltags mit dem Internet, wie zum Beispiel der Kühlschrank, der automatisch neuen Joghurt bestellt.

Händler können auch die Container, mit denen ihre Produkte aus Asien nach Deutschland transportiert werden, besser nachverfolgen. Wenn in Zukunft Dinge kostengünstig, zuverlässig und mit geringem Energieverbrauch mit dem Internet verbunden werden, können Händler tatsächlich mit "Big-Data" etwas anfangen.

Sprachsteuerung

Apples Sprachassistentin Siri hat laut einer Studie von chinesischen Forschern einen Intelligenzquotienten von 23,94. Zum Vergleich: Bei einem sechsjährigen Kind liegt der IQ durchschnittlich bei 55,5. Aber Amazons Alexa, Microsofts Cortana und der Google Assistant werden deutlich schneller klüger als Siri. Der Google Assistant konnte beispielsweise als Erster zusammenhängende Gespräche führen, etwa um einen Termin zu vereinbaren.
Mit Spielereien wie digitale Assistenten SpielereinGoogle baut mit Hochdruck an seiner Verkaufsplattform.
© Fotolia/Folienfeuer
Mit Spielereien wie digitale Assistenten SpielereinGoogle baut mit Hochdruck an seiner Verkaufsplattform.
 Dass Google so erfolgreich ist, liegt daran, dass das Unternehmen anhand der Billionen Suchanfragen und der von Milliarden Android-Smartphones gesammelten Daten wie E-Mail-Inhalten, Kalendereinträgen, gebuchten Flügen und Reisen lernt, was Menschen tatsächlich wissen wollen und wie sie kommunizieren.

Noch sind digitale Assistenten reine Befehlsempfänger. Doch es wird nicht mehr lange dauern, bis Sprachassistenten intelligente Rückfragen stellen können, Konsumenten auf weitere relevante Informationen im jeweiligen Kontext hinweisen und von sich aus aktiv werden, wenn sie wichtige Hinweise haben.

Virtual und Augmented Reality

In Oer-Erkenschwick durch ein Penthouse in New York gehen: Eine Brille für Virtual Reality (VR) war bis vor kurzem noch teuer, setzte einen leistungsstarken PC voraus und ein Kabel zwischen Brille und Computer verhinderte allzu viel Bewegung. Heute ist die Hardware erschwinglich und kabellos, so dass Händler ihre Kunden bald in virtuelle Welten entführen können, wenn die Auflösung und Rechnerkapazitäten weiter verbessert werden.

Während der Nutzer bei der virtuellen Realität komplett in eine andere Welt eintaucht, verschmelzen bei Augmented Reality (AR) Realität und digitale Information. Im Auto gibt es inzwischen zum Beispiel „HeadUp Displays“, die Navigationsanweisungen in der Windschutzscheibe anzeigen. Die Brille von Microsoft namens Hololens vermischt im Sichtfeld des Trägers Realität und VR, man spricht daher auch von Mixed Reality. So zeigt sie zum Beispiel, wie sich Möbelstücke in echte Räume einfügen.

Die Agentur Demodern hat beispielsweise für Ikea Deutschland die weltweit erste Produktpräsentation per Virtual Reality entwickelt. In ausgewählten IKEA-Einrichtungshäusern können Kunden mit der Brille „Oculus Rift“ der Facebook-Tochter Oculus Produkte in einem 3D-Showroom interaktiv erleben und Räume zum Leben erwecken.

IKEA VR aktuell 2018

3D-Druck

In der Science-Fiction-Serie Star Trek entmaterialisiert ein Transporter ein Objekt und setzt es an anderer Stelle ohne Zeitverlust wieder zusammen – „beamen“ war erfunden. 3D-Druck ist ein bisschen wie beamen, denn Händler können schon heute Dinge auf Knopfdruck ins echte Leben holen. In der Cloud liegt die Vorlage für ein Verbindungsstück, das ein Autohändler sofort herstellen kann, statt das Ersatzteil aufwändig zu bestellen.

Händler können den Service auch für individuelle Geschenke wie Smartphone-Hüllen, Tassen oder kleine Personenabbildungen anbieten – und machen das auch schon. Das amerikanische Start-up Icon hat zudem schon werbewirksam ein komplettes einstöckiges Haus in weniger als 24 Stunden gedruckt, das nicht mehr als 4000 Dollar kosten soll. Der Druck von Lebensmitteln ist ebenfalls schon möglich, allerdings noch kostspielig.

Blockchain

Mit der dezentral arbeitenden Datenbank Blockchain („Blockkette“) sind digitale Währungen wie Bitcoin und Ether verknüpft. Wegweisend ist allerdings das zugrunde liegende Transaktionssystem: Eine Blockchain ist ein „verteiltes Logbuch“ (Distributed Ledger), ein im Prinzip dezentral geführtes Buchführungssystem, bei dem viele Teilnehmer beteiligt sind und grünes Licht für eine Transaktion geben müssen.

Die dezentral abgelegten Datenblöcke (Blocks) sind wie eine Kette (Chain) fest miteinander verbunden. Was dokumentiert werden soll, ist für die Blockchain unerheblich.
Die Blockchain hat das Potenzial den Handel zu verändern.
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Die Blockchain hat das Potenzial den Handel zu verändern.
Entscheidend ist, dass jede spätere Transaktion auf den früheren Transaktionen aufbaut und diese als richtig bestätigt, indem sie beweist, dass sie Kenntnis von den früheren Transaktionen hat.

Kurz: Damit wird es unmöglich, Existenz oder Inhalt der früheren Transaktionen zu manipulieren oder zu löschen, weil sonst die ganze Kette ungültig würde. Noch ist die Blockchain-Technologie langsam, ineffizient und energieintensiv. Aber grundsätzlich ist die dezentrale Datenverwaltung für viele Branchen interessant, beispielsweise bei Finanztransaktionen.

Quantencomputer

Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Big Data, autonome Roboter und Fahrzeuge sowie viele weitere neue Technologien verlangen immer mehr Rechenleistung. Die heute den Computern zugrunde liegenden Silizium-Transistoren sind allerdings schon gut 70 Jahre alt.

Vereinfacht gesagt werden zur Leistungssteigerung immer mehr solcher elektronischen Schalter in modernen Prozessoren verbaut. Doch irgendwann ist kein Platz mehr, so dass Forscher nach Silizium-Nachfolgern wie Gallium-Arsenid oder Nano-Werkstoffen wie Graphen oder Stanen suchen. Vielversprechend ist auch die Idee des Quantencomputers. 

Im Unterschied zum Digitalrechner, der auf der Basis der Gesetze der klassischen Physik arbeitet – der Zustand eines Transistors kann 1 (Strom an) oder 0 (Strom aus) sein – basiert der Zukunfts-Computer auf quantenmechanischen Prinzipien. Ein Qubit kann nicht nur den Zustand 0 oder 1 haben, sondern auch beide gleichzeitig („Superposition“).

Quantencomputer können besonders komplexe Berechnungen besonders schnell vornehmen. Damit könnte man unter anderem deutlich sicherere Verschlüsselungsverfahren entwickeln, neue komplexe städtische Verkehrskonzepte für Millionenmetropolen simulieren und schneller Zusammenhänge in großen Datenmengen erkennen, so dass auch Unternehmen "Big Data" sinnvoll nutzen können. 

Dieser Artikel ist zuerst in Der Handel erschienen. Zum kostenlosen Probeexemplar geht es hier.