Wenn Handelspartner und Knotenpunkte ausfallen, kommen Onlinehändler in Schwierigkeiten. Krisen wie Pandemien und Kriege sind Herausforderungen, die Unternehmen, Logistikern und allen in der Wertschöpfungskette besonders eines abverlangen: Flexibilität in der Planung. Wie Händler ihre Planungen an neue Situationen anpassen und mithilfe von Echtzeitanalysen gut informierte Entscheidungen treffen können, erläutert Björn Stauss vom Softwareanbieter Anaplan in einem Gastbeitrag. 

Wenn die letzten zwei Jahre eine Sache gelehrt haben, dann ist es wohl, dass es nie so einfach kommt, wie man erwartet. Ob durch Pandemie, Krieg oder ein feststeckendes Schiff im Suezkanal: Lieferengpässe, Containerstau in den Häfen und damit verbundene Handelsprobleme sind etwas, auf das man sich einstellen muss. Außerdem werden uns externe Faktoren wie Extremwetterereignisse, Fachkräftemangel, steigende Energiepreise und Inflation noch lange begleiten.

Egal wie es kommt: Für Unternehmen ist es hilfreich, sich in ihrer Planung möglichst flexibel aufzustellen. Eine klassische Planung einmal im Jahr nimmt Unternehmen und Händlern die nötige Geschwindigkeit, um auf Krisen und plötzliche Veränderungen zu reagieren. Wie aber werden Händler flexibler und wie lassen sich Planungen am Puls der Zeit durchführen? Glücklicherweise gibt uns das Informationszeitalter eine Vielzahl an Werkzeugen in die Hand, um auch kurzfristig gute Planungsentscheidungen zu treffen.
Unkalkulierbare externe Ereignisse wie Pandemie, Krieg und Energiekrise haben Lieferketten in den vergangenen Jahren brüchig werden lassen.
© IMAGO / Panthermedia
Unkalkulierbare externe Ereignisse wie Pandemie, Krieg und Energiekrise haben Lieferketten in den vergangenen Jahren brüchig werden lassen.

Daten sammeln, verknüpfen, analysieren

Ein Beispiel: Unternehmen, die globale Märkte bedienen, müssen regionale Gegebenheiten im Blick behalten. Dies erfordert oft eine umfangreiche Datenanalyse. Wie hoch ist die regionale Nachfrage eines Produktes? Wie verfügbar sind die Rohstoffe und Fachkräfte? Welche Faktoren beeinflussen diese Verfügbarkeit und was sind hiervon unabhängige Ausweichoptionen? Dies gilt natürlich auch auf kleinerer Ebene, beispielsweise wenn sich bestimmte Regionen innerhalb des deutschen Marktes unterscheiden.

Dieses Wissen, kombiniert mit den eigenen Unternehmensdaten, eröffnet Möglichkeiten, um flexibel zu bleiben und auch bei kurzfristigen Ausfällen in der Lieferkette nicht einzuknicken. Werden Daten aus unterschiedlichsten Unternehmensbereichen gesammelt, verknüpft und ausgewertet, so kann auf dieser Basis in der Cloud geplant oder Simulationen wie eine Wenn-Dann-Analyse für verschiedene Szenarien berechnet werden. Hierbei spricht man von "Connected Planning".
Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass unternehmensinterne Daten aus ihren abgeschotteten Silos in den einzelnen Abteilungen in die Cloud geholt werden müssen und Planungen aus fehleranfälligen Lösungen wie Excel-Tabellen befreit werden müssen.

Stattdessen finden Analysen, Simulationen und Planungen an einem "Single Point of Truth" statt, an dem alle Daten z.T. automatisiert zusammenlaufen. Mit der richtigen Software lassen sich so komplexe Modelle, Echtzeit-Analysen und Szenarien berechnen, um effektiv und agil Entscheidungen zu treffen.

Fällt in einem anderen Beispiel ein Zulieferer aus, können auf einer soliden Datengrundlage in Echtzeit Ausweichszenarien erstellt werden. Wann ist mit Ersatz zu rechnen, welche Alternativen gibt es, und wie teuer sind diese? All diese Fragen kann eine Software beantworten und somit helfen, gut informierte Entscheidungen zu treffen.


Nachfragespitzen abfangen

Ein weiterer Faktor, der gerade in Sachen Nachfrage eine Rolle spielt, ist plötzliche Viralität. Mit Apps wie Tiktok kann geradezu über Nacht eine Nachfragespitze für Endverbraucherprodukte eintreten, für die sich schwierig rechtzeitig vorausplanen lässt. Ein weiteres Beispiel ist die Unterversorgung mit Masken oder Testkapazitäten zu Beginn der Corona-Pandemie.
Um sich in der Planung flexibel aufstellen und auch kurzfristige Ausfälle in der Lieferkette kompensieren zu können, müssen Unternehmen Daten aus unterschiedlichsten Unternehmensbereichen sammeln, verknüpfen und auswerten.
© IMAGO / Panthermedia
Um sich in der Planung flexibel aufstellen und auch kurzfristige Ausfälle in der Lieferkette kompensieren zu können, müssen Unternehmen Daten aus unterschiedlichsten Unternehmensbereichen sammeln, verknüpfen und auswerten.
Einen Überschuss an Produkten zu bestellen, wenn die Nachfrage plötzlich steigt, klingt nach einer naheliegenden Lösung. Doch die Versandzeiten aufgrund von Lieferkettenproblemen verdeutlichen, dass dies weitreichende Folgen haben kann. Im schlimmsten Fall geht der Trendzyklus weiter und die Nachfrage normalisiert sich.

Händler, die überschüssige Bestände geordert haben, müssen dann versuchen, die Verluste auszugleichen, die mit der Herstellung, dem Transport, der Lagerung und der anschließenden Senkung des Preises für diese nun unnötigen Bestände verbunden sind.

Wie also dem Hype zuvorkommen? Das sogenannte "Demand Sensing" ist ein Tool, das zum Beispiel Social Media nach Produkterwähnungen durchsucht und analysiert, um kurzfristige Veränderungen in der Verbraucherstimmung zu verstehen und vorherzusehen. Richtig eingesetzt, kann diese Vorausplanung dabei helfen, zusätzliche Bestände aufzubauen, um erwartete Nachfragespitzen rechtzeitig zu decken.

Planung langfristig flexibilisieren

In einer Welt, die wie nie von Unsicherheit geprägt ist, sind Commitments von 12 oder sogar 24 Monaten im Voraus, ohne Plan B, nicht mehr zeitgemäß – und auch nicht mehr notwendig. Stattdessen können quartalsweise, wenn nicht sogar monatlich, Planungen an die jeweils aktuelle Situation angepasst werden.

Je mehr Faktoren Teil der Datenlage werden, desto besser und flexibler kann auf ihrer Basis geplant werden. Sowohl unternehmensinterne Daten, als auch externe Faktoren, die das Geschäft beeinflussen könnten, sollten mit einfachen Methoden wie Wenn-Dann-Analysen im Auge behalten werden. So lassen sich gute Entscheidungen auf Basis von guten Prognosen treffen – egal was die Weltwirtschaft gerade durcheinanderwirbelt.

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