Auch für Douglas ist Plattform-Ökonomie das Thema der Zeit. Vor dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft soll ein Marktplatz ans Netz gehen, der nicht nur für die Industrie vorgesehen ist. Ansonsten zahlt sich der Erneuerungskurs von Douglas-Chefin Müller aus. Die Halbjahresumsätze sind spürbar gewachsen. Jetzt fehlt nur noch, dass Jan Böhmermann seine Ankündigung umsetzt.

Nein, sagt Tina Müller, Jan Böhmermann sei noch nicht mitgefahren in einem der Beauty-ICEs. Seit vorigem Jahr bietet Douglas in ausgewählten Zügen der Bahn kosmetische Pflege vor allem für Fahrgäste, meist sind diese zu Festivals oder Events unterwegs. Und weil der Komiker Böhmermann einst spottete, dass er in einem dieser Züge mitfahren wolle, um sich die Fußnägel schneiden zu lassen, bot sich Douglas-Chefin daraufhin an, diesen Dienst zu übernehmen.

Man muss diese Offerte jedoch als das verstehen, wie sie gemeint war: als Spaß. Aber Müller weiß eben, wie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit funktionieren, denn diese Geschichte war hübsches, kleines Medienthema, von der Douglas letztlich wieder ein bisschen profitierte. So wie man sagen muss, dass Douglas insgesamt profitiert, seitdem Müller Chefin ist.

"Wir sind auf einer Reise"

"Wir sind auf einer Reise, und ich bin zufrieden", lautete ihr Zwischenfazit im Gespräch mit Etailment, als das Unternehmen die Zahlen für ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 vorstellte: Der Gesamtumsatz wuchs um 4,8 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro, im Kern- und Heimatmarkt Deutschland gab es ein Plus von 9,5 Prozent.
Der Beauty-ICE von Douglas: Schöner reisen. Auch für Männer.
© Douglas
Der Beauty-ICE von Douglas: Schöner reisen. Auch für Männer.
Treiber des Wachstums ist der Onlinehandel, wo es enorme Steigerungsraten gab mit einem Umsatzplus von 36,8 Prozent auf 327 Millionen Euro. Hier ist allerdings die Akquisition des Onlinehändlers Parfumdreams (im April 2018) eingerechnet. Organisch wuchs Douglas immerhin noch um 17,1 Prozent. 

Und ins Onlinegeschäft soll noch mehr Schwung kommen, denn Douglas soll zu einer Beauty-Plattform ausgebaut werden. Es geht dabei um einen Marktplatz, auf dem die Kunden Zugriff Produkte von Douglas-Partner haben sollen - parallel zum eigenen Sortiment. Im Prinzip wie bei Amazon auch. Heißt: Nicht nur die Industrie soll hier ihre Waren anbieten, sondern auch Händler, "es geht dabei um Multichannel-Händler und auch Marken", wie Müller konkretisiert. Sie sagt, dass sie dieses Modell auf großes Interesse stoße.

Größeres Sortiment durch den Marktplatz

Mit diesem Modell will Douglas sein Angebot enorm erweitern, so, wie das Unternehmen bereits von der Sortimentserweiterung durch die Übernahme von Parfumdreams profitiert. "Parfumdreams hatte zum Beispiel im Gegensatz zu uns ein breites Angebot an Haarkosmetik, das es dann eben auch bei Douglas geben kann", erklärt Müller.
Vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft soll der Marktplatz ans Netz gehen - zuvor muss aber erst noch die technische Voraussetzung geschaffen werden: Die Entwicklung einer neuen Software für den offenen Marktplatz. Im Herbst soll diese live geschaltet werden, kündigt Müller an.

Denken und Handeln wie ein Start-up

Die Douglas-Chefin ist bisher mit einem horrenden Tempo durch das Unternehmen gefegt, "und jetzt ernten wir die ersten Früchte", sagt sie. Mehr Agilität, mehr Mut etwas auszuprobieren, lautet Paragraf 1 ihres Grundsatzprogramms. Die Organisation soll sich im Denken und Handeln an der Kultur von Start-ups orientieren. Das gilt auch für die Abteilung New Business, die das neue Projekt Douglas Beauty Booking, betreut. Hier können Kunden online Termine bei einer Kosmetikerin oder einem Friseur buchen - auf einer gesonderten Plattform werden verschiedene Anbieter gebündelt. Allerdings erst einmal nur in Berlin, um auszuprobieren, ob die Konsumenten so etwas wollen. "Und wenn es nicht klappt, passen wir es entsprechend an", versichert Tina Müller.

Was offenbar auf jeden Fall erfolgreich ist, ist das neue Ladenkonzept Douglas pro. Schöner, edler, ist die Kulisse, gemäß dem Anspruch, dass Douglas sich als Anbieter des gehobenen Geschmacks positionieren will. Als Abgrenzung etwa gegen die Konkurrenz der expansiven französischen Kette Sephora.

Es geht nicht ums Mittelmaß

Für Tina Müller "wächst der Markt in der Spitze", also im Premium-und Luxus-Segment. Und hier will sie den Ton angeben. Um zehn Prozent seien die Kundenfrequenzen und sogar Umsätze in den neu gestalteten Läden gestiegen, sagt sie. In der komplett umgebauten Filiale auf der Frankfurter Zeil, wo es im obersten Stock eine reine Beauty-Abteilung gibt, sei es mittlerweile für Kunden schwer, Termine zu bekommen, so stark frequentiert werde das Angebot. Dass gerade in Frankfurt geklotzt wurde, hat Sinn: Denn im November hat nur wenige Meter weiter auf der Zeil Sephora einen neuen Laden eröffnet. 

Schön blond: Influencer-Werbung für Douglas

Douglas will nicht mehr nur Händler, sondern eben ein Komplettanbieter für die Schönheit sein - also auch mit Services, eben das, was reine Onlinehändler wie etwa Flaconi oder Notino noch nicht bieten. Zielgruppe sind die zahlungskräftige Menschen der sogenannten geburtenstarken Jahrgänge, also Männer und Frauen jenseits des fünfzigsten Lebensjahres, bei denen es spätestens ab jetzt der Kampf gegen das Altern mit allen Mitteln geführt wird. Anti-Aging-Produkte und -Behandlungen haben für die Zielgruppe 50plus fast schon grundsätzliche Bedeutung.

Der Marktführer führt wieder

Mattias Mußler, der frühere Einzhandels-Direktor des tschechischen Onlinehändlers Notino sagte einmal zu Etailment über Douglas in der Zeit vor Müller: "Der Marktführer hatte den Markt nicht mehr geführt." Zu sehr standen die Renditeziele des Investors CVC im Vordergrund. Seit November 2017 führt Müller Deutschlands Parfümeriekette Nummer eins - und es scheint, als hätten sich die Dinge grundsätzlich verändert. Die Reise, auf der Douglas sich derzeit befindet, ist noch lange nicht beendet. Es wird kräftig in die Zukunft investiert , "wir nehmen dabei sogar auch für einen begrenzten Zeitraum geringere Margen in Kauf", sagt Tina Müller.
Und vielleicht steigt ja auch wirklich Jan Böhmermann eines Tages in einen Beauty-ICE. Es gäbe schlechteres Marketing.

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