Lagerfinanzierung klingt wie ein Konzept aus den 80er Jahren. Dirk Piethe will dem Finanzierungsmodell mittels Digitalisierung und dem Fintech LABEST zur Renaissance verhelfen.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords - Wie würden Sie ihren Eltern das Start-up erklären?

Dirk Piethe: Handelsunternehmen wollen wachsen und brauchen dafür Kapital. Das Kapital ist aber meist in den Warenbeständen des Unternehmens gebunden. Banken können diese nur mit hohem Aufwand bewerten – stellt euch vor, es werden heute extra Excel-Listen händisch dazu geführt. Mit LABEST stellen Unternehmen Banken diese Daten in Echtzeit zur Verfügung – und das mit einen Klick. Plötzlich werden Lagerwaren als Kreditsicherheit attraktiv für Banken. Das ist unser Geschäft.

Dirk Piethe, Mitgründer von LABEST
© Labest
Dirk Piethe, Mitgründer von LABEST
Wie beschreiben Sie ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet?
#LABEST verbindet die Welt der #Warenwirtschaft mit den Anforderungen der Finanzwirtschaft. Die cloudbasierte Softwarelösung von LABEST ermöglicht es Unternehmen, Lagerwaren als Sicherheiten für die flexible #Finanzierung ihres Wachstums effizient zu nutzen.

Okay, für den besonderen Vorteil, den USP bekommen Sie hier einen weiteren Tweet Platz:
Mit der Nutzung von LABEST können Handelsunternehmen erhebliche Einkaufsvorteile für Ihren Wareneinkauf dauerhaft nutzen. Banken zeigen sich innovativ und schaffen neue Finanzierungsformen – gerade in einer Zeit, in der Amazon, Paypal und Co. mit eigenen Angeboten Fakten schaffen.

Welche Unternehmen konnten Sie bereits überzeugen?
Wir haben inzwischen mit drei Banken Kooperationen abgeschlossen. In diesem Geschäft legen die Banken höchsten Wert auf Vertraulichkeit. Die ERSTE Bank in Wien, wichtigstes Institut der österreichischen Sparkassen, kooperiert bereits seit 2018 mit LABEST. Unser größter Unternehmenskunde ist ein europaweites Handelsunternehmen mit mehr als 30.000 Artikeln und einem Kreditvolumen in zweistelliger Millionenhöhe.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Am liebsten mit allen Handelsunternehmen und deren Hausbanken.

Was war das wichtigste Learning seit dem Start?
Gutes braucht Zeit - gerade im Firmenkundengeschäft der Banken. Letztere sind sehr zögerlich, bestehende Geschäftsmodelle zu verändern. Zwischen der Entscheidung einer Bank, mit LABEST zu kooperieren und den ersten organisatorischen Schritten zu Gunsten der Unternehmen vergehen oft mehr als 6 Monate.

Und was haben Sie daher getan?
Wir haben nicht ewig Zeit. Die Nachfrage ist da! Deshalb arbeiten wir derzeit an alternativen Finanzierungsformen und sprechen dafür auch mit europäischen Investoren. Lagertransparenz und Finanzierung aus einer Hand könnte ein Alternativmodell werden.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
In diesem Jahr erreicht das Volumen der mit LABEST vergebenen Kredite die 300 Millionen Euro-Marke. Die Nachfrage und Akzeptanz unseres Geschäftsmodells insbesondere aus dem Ausland bestätigt uns für die Zukunft.

Welche Marketingkanäle sind für Sie besonders relevant und warum?
Da sich unser Angebot an B2B-Kunden im Finanz-und Unternehmermarkt richtet, geht viel über Empfehlungen und das Netzwerk. Deshalb war der Fintech-Accelerator Plug & Play Europe sehr wichtig für uns. Plug & Play dürfte vielen in der E-Commerce-Branche etwas sagen – Stichwort Paypal. Jetzt freuen wir uns auf ausgewählte deutsche und europäische Veranstaltungen im Bereich Fintech, bei denen wir auch als Referenten gefragt sind.


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Welche Schlagzeile würden Sie gerne über ihr Start-up 2020 in einer Wirtschaftszeitung lesen?
Handel profitiert von günstigen Konditionen: LABEST katalysiert riesige Kreditvolumen für das Bankengeschäft.

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