Social Commerce gilt als neues, großes Versprechen für den Handel. Instagram will hier Maßstäbe setzen und hatte dafür vorige Woche in Berlin einen Pop-up-Store geöffnet. Es war zwar ein physischer Laden, doch das Einkaufen erfolgte auf digitalem Weg. Wie viel Zukunft steckte in dem Mini-Laden?

90 Quadratmeter sind nicht viel für einen stationären Laden. Aber in dem Fall ging es ja auch nur um zwei Tage Betrieb, um etwas öffentliche Wirkung zu erzielen. Instagram hatte vergangenen Freitag und Samstag in der Berliner Torstraße seinen ersten deutschen Pop-up-Store geöffnet mit dem Ziel, die Shopping-Funktion des sozialen Netzwerkes zu bewerben.

Zehn junge, deutsche Unternehmen, die auch mit Instagram groß geworden sind, hatten sich in dem Lädchen präsentiert mit eigens für den Store entwickelten Produkten. Der Unterschied zu einem normalen Laden: Das Einkaufen hier funktionierte ausschließlich über Instagram-Shopping, es wurde kein klassischer Einzelhandel veranstaltet. Der Store war quasi ein großer Demonstrations-Betrieb für die Shopping-Funktion der Plattform.

Kleine Händler und Onlinhandel? Motel a Miio zeigt es allen

Seit März 2018 kann auch die deutsche Instagram-Gemeinde direkt auf dem Portal kaufen. Einer populärer und mit mehr als 420.000 Abonnenten reichweitenstarker Händler ist der Darmstädter Sneakerladen Asphaltgold, Gründer und Inhaber Daniel Benz stellt hier unter anderen in kurzen Videos wöchentlich ein besonders Sneakermodell vor. 

Gallery: Instagram-Pop-up-Store: Social Media zum Anfassen


Für die 90 Quadratmeter in Berlin ist Benz längst viel zu groß, das war (noch) etwas für ein junges Unternehmen wie Motel a Miio. Anna von Hellberg und Laura Castien aus München haben vor etwas mehr als zwei Jahren damit begonnen, portugiesisches Keramik zu verkaufen - mit rasantem Erfolg. Sie begannen mit einem Onlineshop.

Individualität propagiert Kapten & Son auf allen Kanälen. Anders als viele andere Digital Native Vertical Brands sucht Kapten & Son aber die Nähe zum Handel.
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Direct-to-Consumer

Junge Marken stechen den Handel aus

Und weil ein stationärer Test mit einem Pop-up-Store im Münchner Einkaufs- und Genusszentrum Hofstatt so erfolgreich war, begannen beide parallel, ein kleines Ladennetz aufzubauen. Heute gehören 10 Geschäfte und 60 Mitarbeiter zu Motel a Miio, etwa in Berlin, Stuttgart und Köln. Erst vorige Woche wurde in Hamburg-Eppendorf ein neuer Standort erschlossen. 
Motel a Miio ist übrigens ein schönes Beispiel, wie gut man auch als kleiner Händler die modernen digitalen Möglichkeiten erfolgreich nutzen kann. Beim Handelskongress in Berlin vorige Woche hatte Handelsverbandspräsident Josef Sanktjohanser noch geklagt, dass gerade kleine Händler sich von der Digitalisierung abgehängt fühlen.

Instagram ist erst noch vor allem eine gute Marketingplattform

Auch die sozialen Netzwerke waren von Anfang an integraler Bestandteil der Kommunikation von Motel a Miio - und auch Verkaufshebeö. 17.000 Facebook-Freunde gibt es. Doch eine andere Zahl beweist, was Anna Hellberg sagt: "Mit Instagram sind wir groß geworden." Fast 64.000 Abonnenten hat hier Motel a Miio, die Plattform sei vor allem für die Markenpräsenz hervorragend, sagt von Hellberg. Was andererseits auch bedeutet, dass Verkaufszahlen noch ausbaufähig sind. Über den "echten" Onlineshop werden monatlich bis zu 1.500 Bestellungen mit schöner Keramik verschickt - bei einer Retourenquote von nur 7%.
Aber was brachte Motel a Miio wohl nun der Berliner Pop-up-Store von Instagram? Anna von Hellberg spricht davon, dass ihre Teilnahme aus Marketing-technischen Aspekten ein Erfolg war. Umsatzrekorde hingegen wurden wohl nicht aufgestellt.

Social Commerce der neue Handelstrend?

Das dürfte aber nicht lange so bleiben, denn Plattformen wie Instagram gehört die Einkaufszukunft, sagt zumindest Tobias Langmeyer, Chef Technologie-Anbieters Dynamic Commerce (Kulmbach). "Wer 2020 nicht beim Social Commerce dabei ist, verpasst den Anschluss", prognostiziert er und rät auch kleinen und mittelständischen Unternehmen sich an den sozialen Medien zu orientieren. "Die Nutzungsweisen auf Plattformen wie Instagram, Pinterest, Tinder & Co. sind eingeübt. Ohne Erklärungen wissen die Menschen genau, was sie zu tun haben, um ihr Ziel zu erreichen."
Instagram-Profil von Motel a Miio: Inspiration für Keramikliebhaber
© Screenshot / etailment
Instagram-Profil von Motel a Miio: Inspiration für Keramikliebhaber
Instagram jedenfalls will das Shopping-Feld ordentlich beackern. "Mehr als 90% der Instagrammer folgen mindestens einem Unternehmen. Mit Instagram Shopping haben wir auf das Feedback aus der Community reagiert – sie wollen sich nicht nur zu neuen Produkten informieren und inspirieren lassen, sondern auch die Möglichkeit haben, diese direkt einzukaufen", sagt Daniel Verst, Strategic Business Partner DACH bei Instagram.
Verst spricht von Plänen, Instagram als Commerce-Plattform weiter auszubauen. In den USA werde derzeit ein Checkout getestet, also direktes Bezahlen der Produkte über die App.

Prädestiniert für Mode: Instagram Shopping
© Aritzia/Instagram
Marketing

Instagram Checkout - Die riskante Verführung

"So kann die gesamte Customer Journey auf Instagram stattfinden", sagt Vest. "Wir wissen außerdem, dass sich die Community viel und gerne auf Creator-Accounts zu Marken und Produkten inspirieren lässt. Daher testen wir gerade auch eine Funktion, mit der Creator das Shopping-Tool auf ihrem Account nutzen können und so ihre Lieblingsbrands direkt an ihre Follower empfehlen."
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