Produkte aus Deutschland genießen weltweit einen guten Ruf und sind auch bei Kunden im Ausland beliebt. Die Nachfrage nach Milchpulver aus deutschen Landen in China ist ja inzwischen schon legendär. Mit den richtigen Produkten bieten sich auf internationalen Marktplätzen reichlich Vertriebschancen. Wer hier nur an Amazon und eBay denkt, übersieht eine Menge.

Mit dem Ende von Dawanda und Allyouneed wird in Deutschland gerade eine Krise der Marktplätze herbeigeschrieben, ja deren Ende prophezeit. Dabei braucht niemand in die Detailanalyse einzusteigen, um zu erkennen, dass die sprichwörtlichen Äpfel und Birnen miteinander verglichen werden und es eine Reihe von Fehlern und Fehlentscheidungen gegeben hat, die zur Einstellung der Angebote geführt haben.

Händler aus Deutschland, die international verkaufen wollen, kommen am Thema Marktplätze jedenfalls nicht vorbei. Sie sind eine gute Möglichkeit, um das fremde Terrain zu erkunden, ohne in die eigene Shoptechnik investieren zu müssen, um ein lokalisiertes Angebot aus dem Boden zu stampfen. Und mit Enablern und Frameworks wie von ChannelAdvisor fallen die ersten Schritte leichter, da gleichartige Arbeiten unter einer Lösung für verschiedenen Marktplätze effizienter erledigt werden können.

Marktplätze in den USA – es gibt nicht nur Walmart und Amazon

Die Wiege des Electronic Commerce steht in den USA, schließlich kamen hier die ersten Unternehmen auf die Idee, Produkte über das Internet zu verkaufen. Und so gehört der Markt in den Vereinigten Staaten sicherlich zu den etabliertesten Optionen, international zu verkaufen. Das Wachstum des Digital Commerce hat sich hier zwar gegenüber der Goldgräberstimmung der ersten Tage verlangsamt, aber in diesem Jahr wird ein Gesamtvolumen von über 330 Mrd. US-Dollar erwartet. Das entspräche dann einem Anteil von 10 Prozent am gesamten Handelsvolumen. Nach einer Schätzung von Forrester sollen die Umsätze im E-Commerce bis zum Jahr 2019 auf 480 Mrd. Dollar anwachsen.

Amazon und eBay gehören in den USA zu den ersten Adressen der Konsumenten, wenn diese online shoppen wollen. Aber die beiden Platzhirsche sind längst nicht die einzigen Marktplätze und müssen deswegen auch nicht die einzige Option für einen Händler sein, attraktive Zielgruppen zu erreichen. Anders als es vielleicht viele vermuten, sind beispielsweise die Apps von Amazon und eBay nicht die beliebtesten auf den Smartphones der Amerikaner. Absolute Nummer eins ist Wish. Und US-Handelsriese Walmart sorgt bei uns ebenfalls regelmäßig für Schlagzeilen, in seinem Bemühen, den Einzelhandel neu zu erfinden und die Vorherrschaft über Amazon zu erringen. 100 Millionen Kunden besuchen pro Monat allein den Marktplatz des Unternehmens. Es gibt also deutlich mehr Möglichkeiten zu entdecken.

Walmart gehört dazu. Das Unternehmen hat seinen Marktplatz im Jahr 2016 einem großen Relaunch unterzogen. Rund 100 Millionen Kunden besuchen die Seiten des Händlers pro Monat und haben die inzwischen die Wahl zwischen 15 Millionen Artikeln. Ständig werden die Kategorien dort erweitert und auch beim Versand versucht das Unternehmen, mit dem ewigen Rivalen Amazon mitzuhalten.

Walmart steht auch Verkäufern aus dem Ausland zur Verfügung, knüpft das aber an einige strenge Bedingungen. Dazu gehört eine Firmenanschrift in den USA und eine dazu passende Steuernummer. Die Waren müssen aus einem Lager in den USA versendet werden. Dazu darf aber nicht, kein Wunder, Fulfillment by Amazon (FBA) gehören. Rücksendungen müssen ebenfalls an eine Adresse in den USA gehen. Wer auf den Marktplatz auftreten darf, entscheidet das Unternehmen selbst. Eine Grundvoraussetzung zur Zulassen sind gute bis sehr gute Bewertungen des Verkäufers auf anderen Marktplätzen.

Newegg ist wohl eher nur Insidern bekannt. Gegründet wurde der Marktplatz im Jahr 2011. Zunächst gab es dort ausschließlich IT-Produkte für eher versierte Konsumenten. Inzwischen wurde das Warenangebot deutlich erweitert und umfasst Unterhaltungselektronik, aber auch technische Ausrüstungen und Werkzeuge für die Industrie. Auch Kfz-Teile gehören zu den Wachstumskategorien dort. Über 8000 Unternehmen nutzen den Marktplatz zum Verkauf ihrer Produkte. 25 Millionen aktive Kunden sorgen für fast 500 Mio. Besuche der Seiten pro Jahr. Wenig verwunderlich zunächst, dass die Kundschaft des Marktplatzes primär männlich ist. Allerdings nimmt die Zahl weiblicher Kunden stark zu.

Newegg gehört zu den Vertriebschancen in den USA. Gerade Kfz-Teile kommen dort aktuell gut an.
© Screenshot vom Autor
Newegg gehört zu den Vertriebschancen in den USA. Gerade Kfz-Teile kommen dort aktuell gut an.
Newegg arbeitet ebenfalls gern mit ausländischen Händlern zusammen, fordert aber einen hohen Standard in Sachen Service. Bestellungen müssen binnen 72 Stunden ausgeliefert sein, sonst werden sie vom Marktplatz storniert. Händlern, die sich unsicher sind, diese Vorgabe zu erfüllen, bietet das Unternehmen einen Fulfillment-Service an. Zu beachten ist außerdem, dass ein Rückgaberecht von 30 Tagen gefordert ist.

Jet wurde 2015 gegründet und gehört inzwischen zu Walmart. Rund 1.200 Händler bieten rund 10 Millionen Produkte an. Eine Besonderheit von Jet ist sicherlich das dynamische Preissystem, das dem Kunden den höchsten Gegenwert für seine Bestellung verspricht. Der Kunde hat etwa die Wahl, bei der Suche langsamere Versandwege zu wählen oder ein kürzeres Rückgaberecht zu akzeptieren, was sich dann auch bei den Preisen niederschlägt. Beim Checkout ermittelt Jet dann, unter anderem basierend auf dem Wohnort des Kunden und dem Standort der Ware, welche Händler das beste Verhältnis aus Preis und Leistung bietet. Und der erhält dann auch die Bestellung.

Das Versprechen von Jet an die Kunden lautet, immer das beste Verhältnis aus Preis und Leistung zu bieten. Das Modell hat Walmart so gut gefallen, dass es den Marktplatz übernahm.
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Das Versprechen von Jet an die Kunden lautet, immer das beste Verhältnis aus Preis und Leistung zu bieten. Das Modell hat Walmart so gut gefallen, dass es den Marktplatz übernahm.
Um Händler auf dem Marktplatz zu werden, muss das Unternehmen über einen Firmensitz in den USA verfügen, ein Konto bei einer amerikanischen Bank unterhalten und eine postalische Adresse in den Vereinigten Staaten besitzen. Neben diesen Formalien spielt ein ordentlicher Onlineauftritt, aber vor allen Dingen positive Rezensionen auf anderen Marktplätzen eine wichtige Rolle.

Sears ist als Warenhauskette auch in Deutschland bekannt. Seinen Marktplatz hat das Unternehmen bereits 2009 eröffnet. Zu den stärkeren Kategorien dort gehört alles, was mit Haus und Garten zu tun hat. Aber auch Bekleidung, Sportartikel, Spielzeug und Heimelektronik sind breit vertreten. Über 100 Millionen Produkte von über 10.000 Händlern stehen zur Wahl. Der Marktplatz steht mit seiner Produktvielfalt in der Tradition des klassischen Warenhauses. Sears ist danach bestrebt, wenigstens genauso günstig wie andere Marktplätze zu sein. Das ist auch eine Vorgabe für die externen Händler: für die gleichen Produkte auf anderen Marktplätzen oder im eigenen Shop den gleichen Preis wie auf Sears zu nehmen.

Die Anmutung zeigt es deutlich: Bei Sears geht es um den Preis. Händler, die den Marktplatz nutzen wollen, dürfen ihre Produkte nicht anderswo preiswerter anbieten.
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Die Anmutung zeigt es deutlich: Bei Sears geht es um den Preis. Händler, die den Marktplatz nutzen wollen, dürfen ihre Produkte nicht anderswo preiswerter anbieten.
Über Wish wurde bereits viel geschrieben. Nach eigener Aussage ist das Start-up bereits das sechstgrößte E-Commerce-Unternehmen weltweit. Eingekauft wird hier mit der besonders beworbenen und überaus beliebten App. Und das zu besonders günstigen Preisen. Die Kunden auf Wish bewerten und speichern sich Produkte über eine Oberfläche, die ein wenig an Pinterest erinnert. Angebote an den Kunden werden individuell vom Backend des Systems ausgehend von seinen Bewertungen zusammengestellt. Das Ding verführt also regelrecht zum Kaufen. Und mit einer durchschnittlichen Verweildauer seiner Kunden von 30 Minuten pro Tag, zieht es die Konsumenten regelrecht in seinen Bann. Ein Verkäuferkonto bei Wish ist recht schnell angelegt. Allerdings muss der Verkäufer durch geeignete Dokumente nachweisen, dass er auch dazu berechtigt ist, die von ihm angebotene Ware zu vertreiben. Es darf auch nur Neuware angeboten werden, die dann innerhalb von 5 Tagen auf die Reise gegangen sein muss. Andernfalls verschwindet das Produkt wieder vom Marktplatz und der Kunde erhält sein Geld zurück.

Wetten, dass Sie diese Exoten nicht kennen?

Wenn Sie noch nichts von Catch gehört haben, ist das keine Bildungslücke. Als „Catch of the Day“ wurde der Marktplatz bereits 2006 in Australien gegründet.
Ursprünglich gab es bei Catch das Schnäppchen des Tages. Doch inzwischen ist das Angebot zum führenden Marktplatz in Australien geworden
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Ursprünglich gab es bei Catch das Schnäppchen des Tages. Doch inzwischen ist das Angebot zum führenden Marktplatz in Australien geworden
Mit 4 Millionen aktiven Kunden ist er der Big Player auf dem Kontinent. Eigentlich war der Marktplatz als Online-Shop konzipiert, mit dem Ziel, jeden Tag ein besonders preiswertes Produkt anzubieten. Inzwischen wurde das Konzept neu aufgestellt und Catch wurde ein klassischer Marktplatz mit großen Zuwachsraten. 2015 hat Catch ein Loyalty-Programm aus der Taufe gehoben, dass inzwischen 75.000 Kunden nutzen. Diese zahlen für den Versand der bestellten Produkte keine Gebühren. Mit 300 Mio US-Dollar Umsatz pro Jahr ist Catch einer der Player des noch recht jungen E-Commerce-Marktes in Australien, den Amazon & Co schlagen müssen. Neben den Produkten in Eigenregie steht das Angebot auch unabhängigen Händlern offen. Die Zulassung lässt sich am einfachsten über einen Enabler bewerkstelligen, wobei hier im Prinzip die gleichen Kriterien zählen, wie sie anderswo auch gelten. Zum einen die Verpflichtung an die hohen Vorgaben hinsichtlich des Versandes und des Kundensupports, zum anderen sehr gute Bewertungen auf anderen Marktplätzen.
Der Marktplatz in Neuseeland hat optisch noch ein bisschen den Charme der 90er Jahre, ist aber die Nummer eins im E-Commerce der Inseln.
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Der Marktplatz in Neuseeland hat optisch noch ein bisschen den Charme der 90er Jahre, ist aber die Nummer eins im E-Commerce der Inseln.
Den Abschluss dieser kleinen Übersicht macht Trade Me. Mit 3,1 Mio Kunden und 1,4 Mrd Page Impressions pro Monat ist der Marktplatz schlechthin in Neuseeland. Wie der Name es andeutet, sollten die Kunden hier gebrauchte Waren aller Art, also Keller- und Dachbodenfunde untereinander verkaufen. Inzwischen wird hier aber auch Neuware angeboten. Die Homepage ist aktuell für 70 (!) Prozent aller Seitenaufrufe der Inselgruppe verantwortlich. Verkauft werden primär Babyausstattung, Mode, Bücher, Computer und Wohnaccessoires. Händler, die auf Trade Me anbieten, genießen einen hohen Vertrauensvorschuss, den sich die Plattform über die Jahre erarbeitet hat. Schließlich wurden die Seiten bereits 1999 erstmals ins Netz gestellt. Da die Produktgruppen noch überschaubar sind, bieten sich Händlern hier durchaus gute Chancen, gerade was die Sichtbarkeit auf dem Marktplatz betrifft.

Die internationale Welt des E-Commerce steckt sprichwörtlich voller Möglichkeiten. Vor der Expansion ins Ausland stehen zwar einige bürokratische Hürden, die aber den Aufwand lohnen können.

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