Doch es werden auch jede Menge andere Fehler gemacht, wie die Payment-Plattform Stripe ermittelt hat: Ihre Analyse der Check-out-Prozesse der 100 wichtigsten E-Commerce-Websites in Deutschland zeigte 2017, dass 92,7% der Seiten drei oder mehr Fehler aufwiesen, 57,3% gar fünf oder mehr. Nur zwei der hundert untersuchten Websites hatten einen fehlerfreien Check-out-Prozess, berichtet t3n.de.
Die am häufigsten gemachten Fehler entstehen alle im Kontext des Bezahlvorgangs mit Kreditkarte:
- keine manuelle Eingabe des Gültigkeitsdatums einer Kreditkarte,
- keine Echtzeit-Erkennung ungültiger Kreditkartennummern,
- keine automatische Anzeige des Kreditkartentyps nach Eingabe der Nummer
- keine einwandfreie Auto-Fill-Funktion mit im Browser gespeicherten Abrechnungsinformationen
Am beliebtesten sei hierzulande jedoch nach wie vor der Kauf auf Rechnung, der in den Online-Shops 27,9% vom Umsatz generiert habe. Der Umsatzanteil von Paypal (20,5 %) sei 2018 etwas höher ausgefallen als der Anteil des Lastschriftverfahrens (19,7 %). Der Umsatz, der über Kreditkartenzahlungen (10,7 %) generiert wurde, sei im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück- gegangen.
Um Kunden nicht im Check-out-Prozess zu verlieren, sei "ein einfacher und schneller Bezahlvorgang über alle Endgeräte ein Must-have für Onlineshops", betont das Institut. Angesichts der Tatsache, dass die Nutzung mobiler Endgeräte sehr viel häufiger erfolgt als die Nutzung von Desktop-basierten Rechnern, wenden sich die Shop-Betreiber verstärkt den Bezahlprozess für mobile Endgeräte zu: 2019 haben weitere 20% der vom EHI Retail Institute befragten Händler ihre Plattformen entsprechend optimiert, nachdem mit Apple Pay und Google Pay neue, disruptive Anbieter auf dem Markt präsent sind, stehen laut EHI die Themen Mobile Payment, Risikomanagement und die Optimierung des Zahlungsmix für Online-Händler bis 2022 ganz oben auf der Agenda. Wenn es ans Bezahlen geht, muss der Mix der angebotenen Zahlungsmethoden stimmen. In den Top 1.000 Onlineshops in Deutschland können Kunden laut EHI im Schnitt zwischen sieben Zahlungsarten wählen. Der Angebote gibt es viele, und es werden, nicht zuletzt durch die Globalisierung, immer mehr: Wer als Händler international Kundschaft ansprechen möchte, muss die digitale Verkaufsstrategie auf jeden einzelnen Markt ausrichten.
Eine effektive Regionalisierung erfordert viel mehr als nur die simple Übersetzung des Angebots in ein paar Sprachen: Neben Kultur, Vorlieben, Bedürfnisse und Eigenheiten des lokalen Marktes müssen insbesondere die jeweils regional präferierten Bezahlmöglichkeiten berücksichtigt werden, unterstreicht 2checkout.com, schließlich sei dies ist ein entscheidender Faktor bei der Kaufentscheidung.
Am Rechner sind komplexe Prozesse noch gut zu meistern, bei mobilen Endgeräten sieht das gleich ganz anders aus. Über diese läuft global heute schon mehr als die Hälfte des E-Commerce-Verkehrs. Umso wichtiger ist es, die Check-out-Prozesse im Hinblick auf die mobile Anwendung zu optimieren.
Die auf Digitalisierung von Geschäftsprozessen spezialisierte Berater von Lindbaum empfehlen unter anderem, beim Check-out die Texteingabe für Käufer auf ein Minimum zu beschränken und (Stichwort Tastatur-Einblendung) Formularfelder auf mehrere Seiten aufzuteilen. "Der Heilige Gral des mobilen Check-outs ist Geschwindigkeit und Leichtigkeit", lautet das Credo von Lindbaum. Daher müssten Händler auch gewährleisten können, dass die Ladezeiten mobiler Check-out-Seiten unter drei Sekunden betragen, sonst brächen mehr als die Hälfte der Besucher ihren Einkauf ab. Vor diesem Hintergrund scheint es ratsam, Express-Zahlungsoptionen anzubieten wie beispielsweise Google Pay und Amazon Pay oder den von PayPal gebotenen Schutz, nicht eine direkte Eingabe der Zahlungsdetails vornehmen zu müssen.
Ein weiteres Verfahren ist die Tokenization, bei dem Kreditkartendaten zunächst an einen externen (Tokenization-)Server gesendet werden, der diese Daten in Echtzeit verschlüsselt, sprich: die Nummer der Kreditkarte (Primary Account Number, PAN) wird in Tokens verwandelt. Die Tokens, die nur für E-Commerce und nur für einen oder mehrere bestimmte Händler ausgelegt sind, werden an die entsprechende E-Commerce-Website übermittelt. Der Payment-Dienstleister Adyen kann tokenisierte Zahlungen für Online- und/oder kontaktlose Zahlungsarten verarbeiten. Unter anderem werden Token für Apple Pay sowohl für Online- als auch für (kontaktlose) In-Store-Transaktionen erstellt. Für Tokenization spreche nicht zuletzt der Aspekt zusätzlicher Sicherheit: Für den Fall, dass Tokens gestohlen würden, könnten diese nicht für Online-Zahlungen verwendet werden, da keine Verbindung zwischen einem Token und den sicher vom Payment-Dienstleister gespeicherten Zahlungsdaten herstellbar sei. Auch Google Pay arbeitet mit Tokens.
Tokenization sei, so Adyen, für alle Unternehmen geeignet, die über ein Abo-basiertes Geschäftsmodell verfügen oder deren Umsatz in wesentlichem Umfang auf Wiederholungskunden basiert. Die Token seien sicher gespeichert und müssten vom Kunden beim nächsten Kauf nicht erneut eingegeben werden. So könnten 1-Click-Zahlungen eingerichtet werden, die die Konversionsraten erhöhten.
Wolfgang Borgfeld
AUCH INTERESSANT:
Redakteur
1987 Beginn als freier Journalist für regionale Tagesszeitungen, ab 1994 Redakteur bei Horizont, der Fachzeitung für Marketing, Werbung und Medien im Deutschen Fachverlag, ab 1997 Pressereferent der Das Werk GmbH, Frankfurt am Main, später Pressesprecher der Das Werk AG. Ab Juli 2003 selbständig als PR-Berater, Autor und Redakteur tätig, immer wieder auch für Horizont. Von April 2012 bis August 2017 leitender Redakteur des von der dfv Association Services, Frankfurt am Main, herausgegebenen Magazins für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rechtsabteilungen „unternehmensjurist“. Seit September 2017 wieder frei tätig, unter anderem für Packaging 360 Grad, Horizont und etailment.
Alle Beiträge