Das Geschäft mit Herrchen und Frauchen ist lukrativ und nährt aktuell viele Vertriebswege. Wer aber künftig kanalübergreifend die Nummer 1 in Europa wird, ist noch lange nicht entschieden. 

Die Liebe der Deutschen zu ihren Haustieren ist krisenfest: Ist die wirtschaftliche Lage angespannt,  geht der Trend zum "Cocooning" und Schokolade wie auch Tiernahrung sind Gewinner. Und hat der Konsument etwas mehr im Geldbeutel, gönnt er sich und seinem tierischen Mitbewohner mal was.

Das freut den Handel, denn hierzulande werden in fast jedem zweiten Haushalt Tiere gehalten, knapp 35 Millionen Heimtiere ohne Zierfische und Terrarienbewohner zählt der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V (ZZF). 

Nur die Russen haben mehr: Haustiere in Europa.
© ZZF
Nur die Russen haben mehr: Haustiere in Europa.
Und so melden der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) und der ZZF im Jahresbericht 2017/18 einen Gesamtumsatz von 4,16 Milliarden Euro im Fach- und Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kamen demnach 580 Millionen Euro über den Onlinemarkt sowie 98 Millionen Euro für "Wildvogelfutter".

"Mit den so erzielten insgesamt gut 4,8 Milliarden Euro hält die Branche das hohe Umsatzniveau der Vorjahre und entwickelt sich weiterhin positiv", heißt es. 

Nur die Briten sind tierverliebter: Deutsche geben viel Geld für's Haustier aus.
© ZZF
Nur die Briten sind tierverliebter: Deutsche geben viel Geld für's Haustier aus.
Der stärkste Absatzweg für das knapp eine Milliarde schwere Segment Bedarfsartikel und Zubehör rund ums Tier wie Geschirre, Halsbänder, Schlafplätze, Transportboxen oder Spielzeug ist demnach mit einem Umsatz von 790 Millionen Euro ebenfalls der Fachhandel – das entspricht einem Anteil von 80 Prozent. Unter Fachhandel zählen die Verbände übrigens neben dem Zoofachhandel und Fachmärkten auch den Landhandel, Fachabteilungen in Gartencentern sowie Baumärkte.
Der Lebensmitteleinzelhandel einschließlich Drogeriemärkten und Discountern ist hingegen mit Zweidrittel des Umsatzes traditionell der Hauptabsatzweg für das knapp 3,2 Milliarden Euro umfassende Segment  Heimtier-Fertignahrung. Zuletzt betrug der Umsatz über diesen Vertriebsweg demnach gut 2 Milliarden Euro.
Doch der Onlinehandel habe sich inzwischen auch als relevanter Vertriebsweg etabliert, der Verband schätzt das Umsatzvolumen auf circa 580 Millionen Euro im Jahr 2017.  Die Zahlen für 2018 gibt der Verband im 2. Quartal bekannt, dann dürfte der Online-Umsatz deutlich höher liegen. Denn im Internet sind schwere Futtersäcke oder günstige Hundehalsbänder nur ein Klick entfernt, das schätzen immer mehr Konsumenten. 
Vertriebswege Tierbedarf
© IVH
Vertriebswege Tierbedarf
So gab der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) beispielsweise kürzlich für die Warengruppe „Tierbedarf“ 2018 einen Onlineumsatz von mehr als eine Milliarde Euro an. Das Marktforschungs- und Beratungsinstituts Marketmedia24 bestätigt in seiner aktuellen Studie "Branchen-Monitor Heimtierbedarf 2018" zwar, dass der Fachhandel die unangefochtene Nummer eins am Markt ist, sowohl bei Tierfutter, mehr noch bei der Tierausstattung.

"Allerdings sprechen in den tierischen Nonfood-Sortimenten auch Internetanbieter ein gewichtiges Wörtchen mit. So hat sich der Internethandel bei fast allen Nonfood-Produktgruppen hinter dem Fachhandel als Nummer zwei in Stellung gebracht", heißt es. 

"Der Internethandel bei fast allen Nonfood-Produktgruppen hinter dem Fachhandel als Nummer zwei in Stellung gebracht."

Marketmedia24

Vor allem Zooplus: Bei "Europas führendem Internethändler für Heimtierprodukte", wie sich der Onlinehändler selbst nennt,  lagen die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2018 nach vorläufigen Zahlen bei 1,34 Milliarden Euro, das sind 231 Millionen Euro oder 21 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 
Aktionärsstruktur Zooplus 2018
© Zooplus
Aktionärsstruktur Zooplus 2018
Der 1999 gegründete  Onlinehändler mit Sitz in München ist inzwischen in 30 Ländern aktiv, und in allen erzielte Zooplus im abgelaufenen Geschäftsjahr zweistellige Wachstumsraten. Mal wieder. 

Vor allem beim Futter legten die Umsätze zu, gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent. Somit bleibt Tiernahrung das wichtigste Segment für Zooplus, der Anteil am Gesamtumsatz liegt nun bei 85 Prozent.  

Noch mehr Freude macht den Münchenern der Umsatz mit Eigenmarken. "Futter und Streu" ist ein margenstarker Sortimentsbereich, und im vergangenen Geschäftsjahr stieg er um 35 Prozent. Der Anteil der Eigenmarken am gesamten Umsatz für Futter und Streu bei Zooplus liegt nun bei 14 Prozent.

So ist es kaum verwunderlich, dass  Amazon die spendablen, tierlieben Konsumenten wie auch das margenstarke Futter zusammengebracht hat und nun in Deutschland selbst die Tierfutter-Eigenmarke "Lifelong" lanciert. 

Hund Und Katz: Eigenmarke von Amazon
© Amazon
Hund Und Katz: Eigenmarke von Amazon
Doch zurück zu Zooplus: Gerade weil mit Amazon ein gewichtiger Konkurrent auf das lukrative Eigenmarken-Segment schielt, kann sich der Münchener Onlinehändler umso mehr darüber freuen, dass die Loyalität seiner Kunden stark ausgeprägt ist. "So konnte die umsatzbezogene Wiederkaufrate im zurückliegenden Geschäftsjahr in einem weiterhin wettbewerbsintensiven Marktumfeld auf einen Rekordwert von nun 95 Prozent gesteigert werden", meldet Zooplus. 2017 lag dieser Wert bei 93 Prozent. Zudem gewann der Onlinehändler im letzten Quartal 2018 immerhin 722.000 Neukunden, 21 Prozent mehr als im dritten Quartal.

"Zooplus ist klar die Nummer 2 im Gesamtmarkt für Heimtierbedarf in ganz Europa und konnte den Abstand zum Marktführer erneut verringern", kommentiert Cornelius Patt, Vorstandsvorsitzender der zooplus AG, die Entwicklung im Jahr 2018. Das ist als Onlinehändler nicht schlecht. 

"Zooplus konnte den Abstand zum Marktführer erneut verringern."

Cornelius Patt, Zooplus AG
 
Denn die Nummer Eins in Europa ist (noch) ein stationärer Händler: Die Fressnapf-Gruppe aus Krefeld, die kürzlich die Eröffnung des ersten "Fressnapf"-Markts im nordrhein-westfälischen Erkelenz vor 29 Jahren feierte. 
Erster Fressnapf in Erkelenz
© Fressnapf
Erster Fressnapf in Erkelenz
 

Zu der von Inhaber Torsten Toeller gegründeten Unternehmensgruppe gehören heute mehr als 1.500 Fachmärkte in elf europäischen Ländern, dort meist unter dem Namen Maxi Zoo. Die Gruppe beschäftigt mehr als 7.000 Mitarbeiter in den eigenen Märkten, in der Unternehmenszentrale und den Logistikzentren. Bei den nationalen Franchisepartnern sind darüber hinaus rund 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Europaweit arbeiten damit rund 12.000 Menschen bei der Unternehmensgruppe. Zum Vergleich: Zooplus gibt die Zahl der Mitarbeiter mit mehr als 500 an. 

Umsatz Fressnapf über alle Kanäle
© Fressnapf
Umsatz Fressnapf über alle Kanäle

Die Gruppe setzte 2017 eigenen Angaben zufolge rund 2 Milliarden Euro um, 1,25 Milliarden Euro davon in Deutschland. Im Vorjahresvergleich wuchs der Umsatz demnach um rund sechseinhalb Prozent, flächenbereinigt um rund dreieinhalb Prozent. 
Hund, Katze, Hase: 20 Jahre Leckerchen-Eigenmarke Multifit von Fressnapf
© Multifit Tiernahrungs GmbH / Fressnapf
Hund, Katze, Hase: 20 Jahre Leckerchen-Eigenmarke Multifit von Fressnapf
2018 feierte Fressnapf das 20jährige Bestehen der ersten Eigenmarke „MultiFit“, die „sich zu einer umsatzstarken und breit gefächerten Marke entwickelt“ habe, wie es in dem Jahresbericht heißt. Das Eigenmarken-Sortiment weitet der Händler kontinuierlich aus, so dass der Sortimentsanteil der Fressnapf-Marken inzwischen bei gut 50 Prozent liegt.

Zwar verkündet Fressnapf, dass die Gruppe mehr und mehr zum Cross-Channel-Händler würde, aber online hat sich der stationäre Händler zunächst abhängen lassen. Das ist fast schon ein bisschen tragisch, weil Fressnapf eigentlich sehr früh online war, allerdings zu früh, wie Toeller im April 2009 bei der Vorstellung des zweiten Onlineshop-Anlaufs unumwunden zugab.

Damals legte er auch die Benchmark recht hoch: So gut wie Zooplus.de, der zu der Zeit seit rund 10 Jahren erfolgreich im Netz war, müsse der zweite Versuch des hauseigenen Shops schon mindestens werden.

Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland.
© ZZF
Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland.
Das ist noch ein langer Weg: Fressnapf gibt sich sehr zugeknöpft, was seine Online-Umsätze angeht. Der E-Commerce-Experte Jochen Krisch schätzt ihn 2017 auf 73 Millionen Euro.

"Der Wettbewerb in der Pet-Branche hat sich kanalübergreifend verändert. Die Verteilungskämpfe werden intensiver und erfordern neben einer gesunden Wirtschaftlichkeit und einer tragfähigen Unternehmensstrategie besondere Wachsamkeit, Flexibilität und die unbedingte Fokussierung auf die Bedürfnisse unserer Kunden", so Fressnapf-Gründer Toeller. 

"Die Verteilungskämpfe werden intensiver."

Torsten Toeller, Fressnapf

Und so bleibt der Kampf rund um den Tiermarkt spannend. Denn Zooplus will die Nummer Eins in Europa werden und peilt bis 2020 eine Umsatzverdopplung auf 2 Milliarden Euro an – das wäre so viel, wie Fressnapf im Jahr 2017 umgesetzt hat.

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